Schritt für Schritt

Mal ganz was anderes .... oder doch nicht? Gehen, Tag für Tag, Schritt für Schritt, eine Woche lang in Italien auf dem Weg des heiligen Franziskus, dem Schutzpatron der Tiere und der Umwelt - darüber möchte ich heute berichten

Seit gestern bin ich wieder zurück, von einer Woche gehen, auf dem Franziskusweg von Sansepolcro nach Assisi. Gegangen bin ich zusammen mit 5 tollen Frauen und Marcus Hillinger, den ich in meinem Jahr auf Puregg kennen gelernt habe. Er bietet dieses achtsame Wandern nach Assisi und zu sich selbst an. 

 

In der Schule habe ich den wunderbaren Film "Brother Sun, Sister Moon" von Franco Zeffirelli gesehen, der mich damals als Teenager tief bewegt hat. Franziskus, der in einem wohlhabenden Haus aufwächst und der sich eigentlich glücklich schätzen müsste, gibt alles auf, um das wahre Glück zu suchen und wahrscheinlich auch zu finden. Dieser Film und einige Erfahrungen großen Glücks in der Natur als Kind haben vermutlich meinen spirituellen Weg initiiert. 

 

Wir sind jeden Tag einige Stunden, etwa zwischen 20 und 30 km gegangen, morgens und abends 20 Minuten zur Meditation gesessen und haben den Tag, das Gehen und die Pausen, schweigend verbracht. In der Stille und beim Gehen in der Natur fällt es leichter nach Innen zu lauschen. Manchmal war es körperlich sehr anstrengend, aber wundersamer Weise hat sich der Körper jede Nacht wieder gut erholt, sodass ich am nächsten Tag gut weiter gehen konnte. Ich konnte deutlich spüren, dass der Körper für das Gehen, das lange Gehen, Tag für Tag eigentlich gemacht ist - es tut ihm, trotz Anstrengung und Schmerzen, einfach gut. Wahrscheinlich würden auch Anstrengung und Schmerzen nach einiger Zeit nachlassen, wenn wir unser eigentliches, ursprüngliches, nomadisches Leben wieder aufnehmen würden, für das unsere Körper angepasst wurden.   

Für das leibliche Wohl hatte ich getrocknete Bananen, Kakis, Gojibeeren und Cashewnüsse mit, eine Packung ungesalzene Reiswaffeln, selbst gemachtes Knäckebrot, ein paar vegane Aufstriche und "Müsliriegel". Unterwegs habe ich Pasta mit Tomatensauce, Pizza senza Formaggio, Salat und einen Haufen Weißbrot mit Marmelade gegessen. 

 

In einer Unterkunft (<= falls ihr in den link guckt: unbedingt auch die deutsche Übersetzung ansschauen! sehr lustig!!) hat die Yoga-Dame des Hauses sogar vegan gekocht - für mich das Paradies! Es gab köstliche Crostoni, Pasta mit weißer Bohnen-Tomatensauce, als weitere secondo piatti ein köstlich gewürztes Gemüseragout mit Tofu und Seitanstückchen und als Dessert frische Erdbeeren mit Rosinen. So haben wir alle, unsere Gruppe und rund 10 weitere Pilger an diesem Abend, sicher ganz im Sinne von Franziskus, tierleidfrei pflanzenbasiert gegessen :-> 

 

In Assisi haben mich besonders San Damiano, jene verfallene Kapelle, die Franziskus wieder aufgebaut hat und die dann das Kloster von Chiara wurde, die Kirche Santo Stefano, die noch wie im 13. Jahrhundert da steht und die Krypta des heiligen Franziskus in der Unterkirche der Basilika San Francecso beeindruckt. An diesen Orten war eine wunderbar feine, friedvolle schöne Schwingung zu spüren. 

 

Unten auf den Fotos ist zunächst Gubbio und weiter unten dann Assisi zu sehen. 

Diese Haikus sind während des Gehens in meine Finger geschwebt:

 

Gehen Schritt für Schritt, 

Gelber Ginster blüht am Weg, 

Frauengelächter.

 

Der Blick schweift umher, 

gehen mit Stille in mir, 

Stachelschweinborsten.

 

Sonne, Wind, Wolken,

Ameisen kreuzen den Weg,

einfach nur gehen.

 

Weg nach Assisi,

Schritt für Schritt löst sich alles,

süßer Blütenduft.

 

Das Gehen im Wald,

und Sterben beim Ausatmen,

Tanz des Schmetterling.

 

Das einfache Gehen in Stille, abseits von sportlichen Höchstleistungen und deren Quantifizierung kann wunderbar sein. Vielleicht habt ihr ja auch schon so schöne Erfahrungen sammeln können? Würde mich freuen davon zu hören! bis bald, Susanne

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Kommentare: 1
  • #1

    Astrid Eder (Montag, 05 Juni 2017 09:49)

    Liebe Susanne,

    danke fürs Teilen dieses Wandererlebnis. Schaut nach einer Herausforderung aus, die ich auch im Hinterkopf behalten werden.

    Alles Liebe, Astrid