Ahimsa und Meditation

Das buddhistische und hinduistische Ahimsa bedeutet Nicht-Verletzen. Wie kann man diese Gewaltlosigkeit in der Meditation, im täglichen Leben und bei der Ernährung umsetzen. Darüber erzähle ich heute

a-himsa ist Sanskrit und bedeutet nicht-verletzen. Diese Gewaltlosigkeit findet sich bereits in den altindischen Veden und ist später eines der wichtigsten Prinzipien in den Upanishaden, im Hinduismus und Buddhismus. Alle fühlenden Wesen sind leidensfähig. Ihnen soll kein Schaden oder Leid zugefügt werden. Schadet man anderen Wesen, so häuft man negatives Karma an und verbleibt im Kreislauf der Wiedergeburten. Ziel ist die Befreiung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten, Nirvana zu erlangen. 

 

Anhänger dieser Welt-Religionen glauben daran, dass eine Energieform (Seele) auch als Tier wieder geboren werden kann. Das ist sicherlich mit ein Grund, warum in diesen Religionen auch Tiere eindeutig als fühlende Wesen begriffen werden - der Hund des Nachbarn könnte mein wieder geborener Urgroßvater sein. Daher gibt es in diesen Religionen auch die Tendenz, sich pflanzenbasiert, vegetarisch oder vegan zu ernähren.  

Sanskrit: Ahimsa

Mein neuer Liebling ist der pflanzenbasierte Punksänger, Ironman, praktizierende Hare Krishna und Buchautor John Joseph. Hier findet ihr ein wunderbares Interview mit John in deutscher Sprache. In seinem  Video ... welches fucking awesome :->> ist .... erwähnt John, dass er in seinem Leben Ahimsa praktiziert. Für ihn bedeutet das, in seinem Leben nichts zu tun, was anderen lebenden Wesen schadet. Er ist auf den Straßen von New York aufgewachsen und hat in seinem Leben viel Gewalt erleben müssen. Heute praktiziert er Mitgefühl.

 

John erwähnt in dem Video auch, dass in den Veden steht, dass du den Planeten in einem besseren Zustand verlassen sollst, als zu du ihn angefunden hast.  Ein schöner Gedanke, der die tägliche Achtsamkeit - was tue ich? was hat das für Konsequenzen für andere fühlende Wesen und für die Umwelt? - fördern kann. 

 

Die Achtsamkeit selbst kann durch Meditation gefördert werden. David Banana hat vor kurzem ein gelungenes Video über Meditation auf youtube gestellt, das ein guter Einstieg in das Thema ist. Im Buddhismus gibt es auch die Meditation über Mitgefühl. Dabei wird einerseits darüber nachgedacht und sich bewusst gemacht, was Leid eigentlich bedeutet, wie Menschen und Tiere leiden. In der Metta-Meditation wird eine freundlich-wohlwollende Haltung gegenüber allen fühlenden Wesen geübt. Und in der tibetischen Tonglen-Meditation wird das Leid anderer Wesen beim Einatmen in sich aufgenommen und das eigene Glück den anderen fühlenden Wesen mit dem Ausatem gegeben. 

Tibetische Gebetsfahnen

Ich hatte das Glück, schon als Teenager mit Meditation in Berührung gekommen zu sein. Wir hatten in der Schule einen Religionslehrer, der ein Hippie war .... es waren damals ja auch die 70iger Jahre :-) .... und den Schüler Meditations-Unterricht gegen Prüfungsstress anbot. Eine Freundin wollte daran teilnehmen, aber nicht alleine - also ging ich mit, Samstags von 7h bis 8h. Wir machten Achtsamkeitsübungen, Konzentration auf den Atem und Astralreisen - ich war fasziniert.

 

Später habe ich zwei Jahre in spirituellen Zentren gelebt. Im Haus der Stille in Puregg wird meditiert und vegetarisch gekocht. Rund um das Haus auf einer Alm am Fuße des Hochkönigs liegt die große Weide für die Rinder eines Bio-Bauerns. Ich habe hier schon mal darüber berichtet, wie eines Tages der Bauer einer Mutterkuh ihr Stierjunges weg genommen hat, weil diese wieder trächtig war.  Diese Kuh hat anschließend tagelang auf der Weide nach ihrem Kind gesucht und dabei immer wieder nach ihm gerufen und geschrien.... während ich im Zendo in Stille saß und versucht habe, über Mitgefühl zu meditieren. Damals habe ich eigentlich beschlossen, dass ich keine Milch mehr trinken möchte, weil ja jeder milchgebenden Kuh ihr Kalb weg genommen wird. Es gibt keine Milch von glücklichen Kühen. Es hat aber noch ein Zeiterl gedauert, bis ich das umgesetzt habe. 

 

Danach habe ich in einem tibetisch-buddhistischen Kloster gelebt. Dort gab es einen tibetischen Koch, der für die Mönche, Nonnen, Studenten und Gäste gekocht hat - leider fast täglich mit Fleisch, es gab aber auch immer eine vegetarische Alternative. Nur für speziellen Zeremonien wurde von allen eine andere Diät gegessen - ohne Fleisch, Eier, Milch, Knoblauch und Zwiebeln. Erkärt wurde der Fleischkonsum mit den Gewohnheiten der Tibeter, die früher im kargen Hochland möglicherweise tatsächlich auf Kalorien aus Fleischkonsum für ihr Überleben angewiesen waren. Und damit, dass man bei stundenlanger Meditation mit nur pflanzlicher Nahrung zu viel "lung" entwickeln kann - das tibetische Element Wind - und einen Fleisch dann wieder an die materielle Welt bindet und erdet. Das wurde halt schon mal prophylaktisch gemacht ... 

 

Ich kann mir immer schwer vorstellen, dass Menschen tatsächlich so gedankenlos oder so herzlos sein können, andere Wesen (Menschen und Tiere) leiden zu lassen und Körperteile von Tieren zu essen. Meiner Ansicht nach, kann das eigentlich nur an Unachtsamkeit liegen - dass ich mir dabei nicht vor Augen führe, unter welchen Bedingungen Tiere für die Fleischproduktion, aber auch für die Milch- und Eierproduktion leben und früh sterben müssen. Die Gewalt an anderen Wesen (Menschen und Tieren) geht aber auch ziemlich unsichtbar von statten, nur selten hört man in der Öffentlichkeit etwas davon. Oder daran, dass viele wirklich noch glauben, dass wir Menschen für unsere Gesundheit Fleisch essen sollen. Daran kann vielleicht das Aufzeigen von veganen Menschen etwas ändern, die mit pflanzenbasierter Ernährung gesund leben, gesund alt werden, fit sind oder sogar  tolle sportliche Ergebnisse erzielen. Hier gibt es beispielsweise Patrik Baboumian - der stärkste Mann Deutschlands, den ich gerade auf der Vegan Planet Messe in Wien gesehen habe. Oder  Rich Roll - der zu den 25 weltweit fittesten Männern gehört. Oder Ruth Heidrich - die mit 47 Jahren schwer an Brustkrebs erkrankt war und damals ihre Ernährung auf vollwertig vegan mit niedrigem Fettanteil umstellte, anschließend unzählige Rekorde beim Marathonlauf und ironman Triathlon aufgestellt hat und heute mit 81 Jahren und vorwiegend roh-veganer Ernährung immer noch täglich läuft, schwimmt und mit dem Rad unterwegs ist. 

 

Ach ja, manche sagen ja noch, dass ihnen Fleisch schmeckt. Fleisch an sich aber hat doch eher wenig Geschmack, es sind doch eher die Gewürze, Salz in Kombination mit dem Fett und die Röstaromen beim Anbraten, die man aber auch bei Gemüse erzielen kann. Hinter dem Essen von Fleisch in westlichen Ländern steckt aber schon auch eine Ideologie, die Gewalt an Tieren für normal und notwendig hält. Wer sich darüber informieren möchte, welchen Leiden Tiere ausgesetzt sind, kann sich darüber heute auch dank Internet leicht ein Bild machen. 

 

Ahimsa, der Wunsch nicht zu verletzen, entsteht aus Mitgefühl, einer tiefen Verbundenheit mit anderen Wesen, Menschen wie Tieren. Man versetzt sich in die Lage des anderes Wesens und wünscht dem fühlenden Wesen Glück und Freiheit von Leid. 

 

„ Jeder denkt dass Mitgefühl wichtig ist, und jeder hat Mitgefühl. Der Buddha gab verschiedenste ungewöhnliche Anweisungen, wie man sich der Praxis des Mitgefühls nähern könnte. Im Allgemeinen fühlt jeder Mitgefühl, jedoch häufig fehlerhaft. In welcher Weise fehlerhaft? Nun, sie bemessen es. So fühlen manche vielleicht Mitgefühl für ihre Mitmenschen, aber nicht für Tiere. Andere fühlen Mitgefühl mit Tieren und anderen Arten von fühlenden Wesen, nicht aber mit Menschen. Manche fühlen vielleicht Mitgefühl für jene, die in ihrem Land leben, aber nicht für Ausländer. Und wieder Andere fühlen vielleicht Mitgefühl mit ihren Freunden, sonst jedoch mit niemandem. Es scheint, als würden wir irgendwo einen Strich ziehen. Wir fühlen Mitgefühl für die Wesen auf der einen Seite der Linie, aber nicht für die Wesen auf der anderen Seite der Linie. Wir fühlen Mitgefühl für eine Gruppe, aber nicht für eine Andere. Und genau an dieser Stelle ist unser Mitgefühl fehlerhaft. Was hat nun der Buddha dazu gesagt? Nun, dass es nicht notwendig ist, diese Linie zu ziehen. Und es ist auch nicht passend. Jeder möchte Mitgefühl, und wir können es allen geben.“

          Aus: “Bodhicitta: Cultivating the Compassionate Mind of Enlightenment” von Ven. Lobsang Gyatso:

 

Ahimsa und Mitgefühl lässt sich leichter leben, wenn es uns gut geht. Uns geht es gut, wenn wir uns wohl fühlen, wir entspannt sind, wir Mitgefühl mit uns selbst haben und unser Geist ausgeglichen und fröhlich ist. Dabei hilft wieder Meditation, achtsame Körperübungen wie Feldenkrais und Yoga, vielleicht auch Ausdauersportarten, die uns ausgeglichen machen und eine vollwertige, pflanzenbasierte Ernährung. Und so schließt sich der Kreis wieder. Man muss nur einfach mal irgendwo den Anfang machen :->

 

 

Ich wünsche Euch eine friedvolle Vorweihnachtszeit und alles Liebe, Susanne

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