was am Ende wirklich zählt

5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen - darüber hat Bronnie Ware ein berührendes Buch geschrieben, über das ich heute kurz erzählen möchte

was am Ende zählt

Um heute mit Stärke leben zu können, ist es gut, auch um sein sterbliches Ende zu wissen. Was ist mir heute wirklich wichtig? was ist zu tun? was möchte ich lassen? und welche Bedeutung hat das für mich, die fühlenden Wesen um mich und die Erde insgesamt? 

 

Ich habe gerade das Buch "5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen. Einsichten, die Ihr Leben verändern werden" gelesen, das mir eine Freundin ans Herz gelegt und als Buch geborgt hat. Und es ist eine gute Erinnerung daran, was wirklich zählt und wofür man seine Kraft einsetzt - heute und am Ende. 

Mut fürs Leben

Bronnie Ware schreibt in dem Buch über ihr Leben und ihre Tätigkeit als pflegende Begleiterin für sterbende Menschen. Die Einsichten, die diese Menschen oft erst kurz vor ihrem Todeszeitpunkt haben durften, fasst sie in dem Buch zu folgenden 5 Punkten zusammen: 

 

1.: Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mir selbst treu zu bleiben, statt zu leben, wie es andere von mir erwarteten

 

Viele von uns bleiben in dem kindlichen Muster verhaftet, anderen unbedingt gefallen zu wollen (um damit das Überleben als Kleinkind zu sichern) und verleugnen dabei, ihre eigenen Wünsche und Sehnsüchte. Ich habe aber selbst die Erfahrung gemacht, dass wenn der Schmerz oder Leid zu groß werden, dann wird es einem egal, was andere denken und man macht das, was man selbst für richtig hält, machen möchte oder auch einfach das, was sich durch das Leid nun nicht mehr unterdrücken lässt. So wird man mehr und mehr authentisch. Auch schon die Diagnose einer Krankheit kann dieses Leid auslösen und Bronnie schreibt, dass Krankheit auch zweifellos ein Weg ist, der das Ego auflöst. 

 

Etwas tun, was man mit ganzem Herzen macht und machen kann, wozu man wirklich steht. Man ist niemanden etwas schuldig und jede/r ist für sich selbst verantwortlich und für das, was er/sie tut oder auch nicht tut. Das Blöde ist halt, dass man zuvor vielleicht noch nicht so recht weiß, was man später mal bereuen oder als Versäumnis empfinden wird. Da kann eigentlich nur mal Anhalten, Durchatmen, in sich zu hören helfen, um so die oft leise Intuition oder die Herzenswünsche wahrnehmen zu können.  Im tiefsten Inneren wissen wir ja meistens doch, was für uns eigentlich richtig, wichtig und wahr wäre.

 

 

 

 2.: Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet (und der Segen der Einfachheit)

 

Was hat man von Arbeit letzten Endes? Geld, Einkommen, Status, oder vielleicht einen Beruf, in dem man sich selbst verwirklichen kann oder der einem ein wirkliches Herzensanliegen ist? 

 

Arbeite nicht zu viel, bemühe dich um Ausgeglichenheit. Lass die Arbeit nicht dein ganzes Leben bestimmen, sagt John kurz bevor er stirbt. Wenn wir eine Arbeit machen, die wir lieben, dann fühlt es sich nicht wie Arbeit an, sagt Pearl. Und Charlie meinte, dass man besser einfach lebt, als unglücklich im Hamsterrad weiter zu laufen, um Rechnungen für Dinge bezahlen zu können, die man vielleicht gar nicht braucht. 

 

 

3.: Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen

 

Wir alle haben den Wunsch, wirklich wahrgenommen zu werden - so wie wir sind. Jozsef bereute daher sehr beim Sterben, dass ihn seine Familie gar nie richtig kennen gelernt hatte. Er hatte viel gearbeitet und wenig von seinen Gefühlen preis gegeben. Er meinte auch, dass er sich selbst eigentlich bis vor kurzem nicht gekannt hatte. "Erkenne dich selbst" steht am Apollotempel in Delphi, an dem ich vor vielem Jahren mal vorbei gefahren bin und das ist auch Ziel vieler Meditationstechniken. 

 

Viele von uns haben Angst vor dem Schmerz der Ablehnung, wenn wir unsere Gefühle ausdrücken. Ich war aber bisher noch jedes Mal froh, wenn ich allen meinen Mut zusammen genommen habe und meinem Gegenüber meine Gefühle gesagt oder gezeigt habe. Meine Stärke sind dabei jedoch eher positive Gefühle und Zuneigung zu äussern, bei negativen Gefühlen (wie Ärger u.ä.) wäre ich zukünftig gerne noch etwas mutiger. 

 

 

4.: Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden gehalten

 

Das ist ein Punkt, den ich auch schon öfters bereut habe. Seit Schultagen habe ich immer wieder Menschen aus den Augen verloren, die mir eigentlich wichtig waren. Heute ist es durch das Internet leichter, Menschen wieder zu finden und wieder in Kontakt zu kommen - aber trotzdem. Ich habe einen großen Bekanntenkreis, aber nur wenige wirkliche Freunde, daher fühle ich mich manchmal auch etwas einsam. Bronnie beschreibt, wie einsam Menschen sich in Pflegeheimen fühlen können, überhaupt wenn dort ihre letzten Tage heran brechen und sie den Kontakt und Austausch mit alten Freunden vermissen. 

 

Eine Frau macht kurz vor ihren Tod nochmal deutlich, wie wichtig Kontakt zu Menschen ist, die einen so akzeptieren, wie man ist und die einen sehr gut kennen - das ist am Ende mehr wert als alles andere, meint sie. Auch wenn es Manche anders fühlen - wir sind Herdentiere, die den sozialen Kontakt brauchen. Das zeigt auch die Forschung von Dan Buettner in den Blue Zones deutlich, wo die Menschen besonders alt werden. Ein Faktor um glücklich besonders alt zu werden ist die Anzahl der sozialen Kontakte und Freunde, die ein Mensch hat. 

 

Wichtig ist auch, dass man Menschen immer alles sagt, was man sagen möchte - sodass man es nicht bereut, wenn sie plötzlich sterben und Dinge ungesagt bleiben, denen man gerne Ausdruck verliehen hätte und für die es nun zu spät ist.

 

 

5.: Ich wünschte, ich hätte mir mehr Freude gegönnt

 

Dieser Augenblick ist alles was wir haben, daher wäre es gut, ihn genießen zu können. Auch wenn man vielleicht gerade auf ein Ziel hin arbeitet. Die Schritte zum Ziel bestehen auch aus vielen einzelnen Momenten, in denen und über die man sich Freude gönnen kann. 

 

 

Bronnie scherzt, dass sich am Anfang unseres Lebens  alles um Essen und um Kacken dreht und am Ende geht es auch bloß wieder um Essen und Kacken. Das ist dann die Beschreibung der körperlichen Ebene, die zumindest von pflegenden Angehörigen und Aussenstehenden für das Wohlbefinden des Kindes und des Sterbenden als wichtig erachtet wird. 

 

Bronnie Ware schreibt auch darüber, wie sehr der Tod aus unserem modernen Leben ausgeklammert ist. Und wie sehr Verwandte und Bekannte von Sterbenden von der Heftigkeit des Schmerzes überwältigt werden. Ich habe vor einiger Zeit eine Freundin verloren und war genauso von der Heftigkeit des Schmerzes überrascht, den man auch nur schwer beschreiben kann. Diese starken Gefühle sind dann auch tatsächlich als körperlicher Schmerz zu fühlen. Und in unserem heutigen Leben bietet sich derzeit leider auch kaum Platz dafür, diesen Schmerz und die Trauer dann ausdrücken und somit langsam loslassen und wieder heilen zu können. 

 

Das sind die Anregungen, die ich gerne aus dem Buch übernommen habe. Am Schluß gibt die Autorin noch eine eigene Erfahrung weiter, die mir etwas zu weitschweifig und esoterisch beschrieben ist und fasst das Buch und die beschriebenen Personen nochmals zusammen, was meiner Ansicht nach nicht unbedingt nötig ist, weil man ja den ersten Teil des Buches gelesen und verstanden hat. 

 

Doch auch ich schließe mit einer Zusammenfassung :->  Was zählt also am Ende wirklich? 

 

Nicht Eitelkeit, kein Geld oder anderer Besitz, das kann man alles (vermutlich) nicht mit nehmen. Das Leben kann für jeden von uns jeden Moment vorbei sein. Daher ist es gut, möglichst jeden Moment so zu leben, dass man mit dieser Tatsache in Frieden sein kann und nichts bereuen muss. Bronnie schreibt, dass viele Sterbende in ihren letzten Wochen oder Tagen ihre Versäumnisse erkannt haben und so in den letzten Augenblicken ihres Lebens noch einiges wieder gut machen konnten, sodass sie anschließend friedlich gehen konnten. Aber alles lässt sich in den letzten Tagen auch nicht mehr gut machen, an denen sowieso auch die Kraft rasch schwindet. Daher tut man gut daran, jeden Moment mit Stärke und Mut zu leben. 

Vielleicht war das eine kleine Anregung kurz im Alltag zu stoppen und euch zu besinnen, was euch wirklich wichtig ist - und dann damit nicht bis zum Lebensende zu warten, sondern möglichst bald damit zu beginnen! Dafür viel Stärke und alles Liebe, Susanne

Kommentar schreiben

Kommentare: 0