bio? logisch!

Ich finde es ja logisch, mich biologisch zu ernähren und das schon seit Jahren. Über das wie? was? warum? und die Kosten davon heute etwas mehr

mein Bio-Garten

Am liebsten würde ich ja fast mein gesamtes Gemüse und Obst selbst anbauen und mich vom Samenkorn bis zur Ernte darum kümmern und die Vorgänge täglich beobachten. Ich hatte zwei Jahre ein 20 m2 großes Beet in einem Gemeinschaftsgarten, dort war das teilweise möglich. Dann habe ich mich um einen Garten auf 1300 m Höhe gekümmert, dort konnte ich auch vieles beobachten, probieren und von der Natur lernen. Natürlich habe ich die Gärten biologisch bewirtschaftet und keine chemisch-synthetischen Dünger und andere Hilfsmittel verwendet. Ich habe statt dessen auf gute Pflanzennachbarschaften geachtet, gemulcht und Kräuter-Jauchen angesetzt und Schnecken in den Wald getragen. 

 

Die Vorteile vom Gärtnern sind ganz klar: du weißt wirklich was du isst. Und du weißt auch, wie viel oder wenig Aufwand es war, bis du die reifen Früchte deiner Arbeit ernten konntest. 

 

Heute ist bei den meisten Menschen ein Großteil der Lebensmittelproduktion ausgelagert, d.h. du kaufst im Supermarkt im besten Fall Obst, Gemüse, Getreide und Nüsse ein oder greifst zu daraus zubereiteten Fertigprodukten. Oft wissen wir heute nicht mehr so genau, was wir da eigentlich essen. Mit den rund 30.000 Genen, die wir Menschen nur zur Verfügung haben, können täglich 4 Millionen verschiedene Körper entstehen - Ernährung ist möglicherweise der entscheidende Faktor, welcher Körper gemacht wird und wie gesund wir sind. 

 

"Bio" heißt nicht automatisch gesund und gut für uns. Es gibt heute auch schon genügend Bio-Junk-food in den Geschäften, auch in vegan. Wenn du aber Produkte aus konventioneller (d.h. nicht biologischer) Landwirtschaft verwendest, kommen dazu noch so allerlei künstliche chemische Stoffe, die man eigentlich nicht unbedingt essen wollen würde. Bio hat auch nicht unbedingt mehr Vitamine oder Mineralstoffe, dafür mehr sekundäre Pflanzenstoffe und vor allem: deutlich weniger Giftstoffe - daher greife ich logischerweise zu biologisch.  Doch was ist der genaue Unterschied zwischen konventioneller und biologischer Landwirtschaft? Und ist bio wirklich immer teurer? 

Was heißt "bio" nun eigentlich?

Laut EU-Öko-Verordnung sagt die Bio-Kennzeichnung auf einem Produkt aus, dass mindestens 95 % der Zutaten aus biologischer Landwirtschaft stammen, nicht mit Gentechnik produziert und auch keine gentechnisch veränderten Organismen enthalten und dies mindestens einmal jährlich von einer unabhängigen Kontrollstelle überprüft wird. In Österreich gibt es schon seit 35 Jahren Regelungen für die biologische Landwirtschaft und Bio Austria Produktionsrichtlinien für BiobäuerInnen. Werden diese eingehalten, dann können die Produkte mit dem Bio-Austria-Zertifkat gekennzeichnet werden. Es gibt aber natürlich auch biologische Lebensmittel, die kein Bio-Siegel tragen, sondern aus dem eigenen Garten oder vielleicht von regionalen Bauern stammen. 

 

In der konventionellen Landwirtschaft kommen chemisch-synthetische Pestizide wie Herbizide gegen Beikräuter (sprich alle anderen als die gepflanzten oder gesäten Pflanzen), Fungizide gegen Schimmelpilze u.ä., Rodentifizide gegen Nagetiere, Insektizide wie beispielsweise die Neonicotinoide gegen Insekten etc. zum Einsatz, die im biologischen Anbau nicht verwendet werden dürfen. 

 

Eigentlich ist ja die Bezeichnung "konventionelle" im Sinne von traditioneller Landwirtschaft auch falsch. Denn die Tradition der letzten Jahrhunderte war Fruchtfolge, alte Saatsorten die sich schon gut an das Klima der Region angepasst haben, gute Nachbarschaften, verschiedene Präparate aus pflanzlichen oder tierischen Stoffen und manuelle Eingriffe des Menschen. Die künstliche Düngung begann erst vor ein paar Jahrzehnten mit dem Boom der chemischen Industrie und der Produktion chemisch-synthetischer und fossiler Düngemittel. 

 

In letzter Zeit wird auch immer wieder die Verwendung von Glyphosat diskutiert. Glyphosat besteht aus der Aminosäure Glycin, die chemisch verändert wurde. Sie ist wasserlöslich ist und kann somit nahezu überall ungehindert hinkommen - auch im Körper.  Sie wurde ursprünglich als Antibiotikum verwendet, erst dann wurde die Wirkung als Unkrautvernichtungsmittel entdeckt und unter dem Namen Roundup vertrieben. Heute ist Glyphosat auch unter zahlreichen anderen Namen zu kaufen.  Mit Glyphosat behandelte Pflanzen sterben - ausser sie sind gentechnisch verändert. Der Wirkungsmechanismus ist so, dass ein Enzym, das zur Synthese anderer Aminosäuren notwendig ist, durch das Glyphosat blockiert wird. In Menschen gibt es zwar diesen Shikimatweg nicht, aber wir benötigen die essentiellen Aminosäuren Phenylalanin, Thyrosin (u.a. wichtig für Stimmung und geistige Funktionstüchtigkeit) und Tryptophan (u.a. wichtig für Stimmung und Schlaf-Wach-Rhythmus) aus den Pflanzen, die nun dort nicht mehr produziert werden können.  In uns zerstört Glyphosat darüber hinaus die Darmflora, da das Antibiotika auch unsere Darmbakterien umbringt. Glyphosat lässt sich nicht abwaschen, übersteht kochen und einfrieren. Für nähere Informationen zu diesem Thema empfehle ich euch sehr die Interviews mit Dr. Zach Bush, hier im podcast mit Rich Roll und hier!

 

Mit dem Konsum von konventionell angebauten Produkten schadet man möglicherweise aber nicht nur der eigenen Gesundheit, sondern auch der Gesundheit der Bauern und Produzenten, die das Obst und Gemüse ja spritzen müssen und so auch mit den Giften in direkten Kontakt kommen. Auf einer Reise in Taiwan habe ich mal einen Mann ein Feld spritzen gesehen, mit Atemmaske wie im Krieg, hohen Stiefeln und Schutzkleidung - und wir essen das dann bissel später. Aber nicht nur Menschen kommen zu Schaden, auch anderen Lebenwesen wird geschadet bzw. werden sie durch die Pestizide gezielt getötet. Pestizide dringen und verbleiben oftmals auch lange im Boden, im Wasser und in der Luft. Das Insektizid DDT wurde bereits in den 70iger Jahren verboten, aber man findet  heute noch Rückstände davon in Böden, Lebensmitteln und in uns. 

Und wie ist das mit den Kosten? Ist Bio nicht viel teurer?

Ja, bio ist etwas teuer als Obst und Gemüse aus konventionellem Anbau, aber der Unterschied ist recht gering: 

 

Beim Billa kosten 1 kg Äpfel aus konventionellen Anbau (sprich gespritzt) aktuell zwischen 2,49 bis 2,99 - die Bio-Äpfel 2,79 Euro.

1 kg Bananen aus konventionellen Anbau kosten zwischen 1,39 und 1,89 - die Bio-Bananen kosten 1,99. 

500 g Risottoreis von dem amerikanischen Onkel kosten 2,99 - der von Alnatura kostet 3,19. 

 

In Österreich findest du in nahezu jedem Supermarkt auch Bio-Lebensmittel zu kaufen. Daneben gibt es auch noch eigene Bio-Supermärkte und so einiges findet man auch in Drogerieketten. 

 

Externe Kosten (jaja, ich oute mich doch mal als studierte Betriebswirtin) sind Folgekosten, die durch einzelwirtschaftliches Handeln entstehen und dem Produkt nicht direkt zugerechnet werden (können), aber Auswirkungen und Kosten für Dritte oder die Allgemeinheit haben. Die externen Kosten der konventionellen Landwirtschaft entstehen im Bereich der Gesundheitskosten, Arztkosten etc. und der Umweltzerstörung, Verarmung der Böden auf denen ohne Kunstdünger nichts mehr wächst, Anreicherung des Wassers mit Schadstoffen, etc. Das heißt, du zahlst nicht heute, aber möglicherweise schon morgen dafür. 

 

Also, ich spare lieber an anderen Dingen, als an meiner Gesundheit. Man muss sich die Risiken, die man ja immer besser abschätzen kann, weil es mehr Untersuchungen gibt und die Menschen ja nun schon länger (d.h. einige Jahrzehnte) gespritzte Lebensmittel konsumieren vor Augen führe. 

Dirty Dozen und Clean Fifteen

Für die USA gibt es zwei bekannte Listen, die "clean 15" und die  "dirty 12", in denen Lebensmittel aufgeführt werden die entweder besonders mit Pestiziden belastet sind oder die man auch aus konventionellen Anbau fast bedenkenlos konsumieren kann. Ich denke, dass die Situation in Österreich besser ist, aber diese Listen haben sicherlich auch bei uns ihre Gültigkeit. 

 

In den USA ist das noch schlimmer als in Österreich und in der EU. Hoffentlich ist TTIP noch meilenweit von uns entfernt. Bei uns ist - noch - vieles verboten, was in den USA erlaubt und megagiftig ist. Dort werden auch gerne bereits als Karzinogene oder Nervengas deklarierte Chemikalien auf Obst und Gemüse gespritzt .... solange bis halbtote Konsumenten dagegen klagen. 

 

Die "schmutzigen 12" sind in folgender Reihenfolge: Erdbeeren, Spinat, Nektarinen, Äpfel, Pfirsiche, Birnen, Kirschen, Trauben, Sellerie, Tomaten, Paprika und Kartoffeln. Bei diesen Lebensmitteln ist die Belastung durch verschiedene Gifte am größten und diese sollten daher am bestem ausschließlich aus biologischen Anbau gekauft werden. 

 

Ja, rückblickend wundert es mich dann etwas weniger, warum mir als Kind im "Erdbeerland" nach dem Verzehr von - na gut, schon sehr vielen - Erdbeeren gar so komisch war. Die waren vermutlich schon mit irgendwas gespritzt. Und bei Kindern summiert sich das Gift im Körper auch mehr, weil sie ja weniger Gewicht haben. Also Kinder sollte man daher auf jeden Fall möglichst biologisch ernähren. 

 

Die "sauberen 15" sind: Mais, Avocado, Ananas, Kraut, Zwiebeln, Zuckererbsen, Papaya, Spargel, Mango, Melanzanie, Honigmelone, Kiwi, Cantaloupe-Melone, Karfiol und Grapefruits. Diese dürfen, ohne uns allzu sehr zu schaden, auch mal aus konventionellen Anbau in das Einkaufskörbchen wandern (zumindest aus gesundheitlichen Gründen, weil für die Umwelt und die Tiere sind sie ja trotzdem schädlich). 

Also ich find "bio" eben völlig logisch - ihr vielleicht nun ja auch eher!?

Darauf hoffen ich, die Mitwesen und die Umwelt! Bis bald, Susanne

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