Die Lustfalle ...

... und warum Gesundsein so schwer fällt: wir wollen Lust steigern, Schmerz vermeiden und Energie bewahren. Heute ein wenig mehr über die Lustfalle, dem Buch von Doug Lisle und Alan Goldhamer

"Die Lustfalle" Douglas J. Lisle und Alan Goldhamer

Ich lese das Buch nun gerade zum zweiten Mal. Das Buch hat mir beim ersten Lesen viele Aha-Momente beschert, was ich schon damals gerne an euch weiter geben wollte. Trotzdem ist vieles davon auch wieder in Vergessenheit geraten. Was kein Wunder ist, denn unsere heutige Umwelt ist dafür gemacht, dass unsere ursprüngliche Ernährungsweise immer mehr in Vergessenheit gerät.

 

Alle Lebewesen wollen Lust steigern, Schmerz vermeiden und Energie bewahren. Und die riesige Lebensmittelindustrie hilft uns dabei - zu ihren eigenen Nutzen, aber auf Kosten unserer Gesundheit. Verarbeitete Nahrungsmittel, Fertigprodukte, Fast Food, chemische Zusatzstoffe, künstliche Farbstoffe, viel Salz, viel Zucker .... das alles ist nicht unsere natürliche Ernährung, die wir in einer natürlichen Umgebung in ausreichenden Mengen finden und essen würden. 

 

Wir sind aber dafür gemacht, möglichst viele Kalorien zu uns zu nehmen. So haben wir Jahrhunderte in der natürlichen Umgebung, wo wir unsere Nahrung erst sammeln und jagen mussten, überlebt. Denen das gut gelungen ist, sind unsere Vorfahren und sie haben ihre Gene an uns weiter gegeben. So haben wir auch heute noch die Belohnungshormone für die Aufnahme kalorienhaltige Nahrungsmittel in unserem Programm. Dies mal als kurzer Einstieg, im folgenden gibt es mehr Interessantes aus dem Buch.

Der biologische Sinn des Lebens

Der biologische Sinn des Lebens: Überleben und Fortpflanzung

Die überraschende Erkenntnis der Wissenschaft ist, dass Körper und Geist sämtlicher Lebewesen nur dem einen Zweck dienen, nämlich Überleben und Fortpflanzung - der Replikation der Gene. Jedes Lebewesen hat dafür ein bestimmtes, an die Umwelt angepasstes, Repertoire an körperlichen und geistigen Fähigkeiten, die es vorzüglich für das Überleben und die Fortpflanzung seiner Art ausrüsten. 

 

Haie haben 2 Reihen scharfer Zähne - so können sie Fleisch zerfetzen, um zu fressen, um zu überleben, um sich dann fortpflanzen zu können. Gazellen flüchten vor Geparden - so werden sie nicht gefressen, können selbst weiter fressen, um sich fortzupflanzen.

 

Menschen werden von einem ähnlichen Plan geleitet: wir suchen Nahrung und Unterschlupf zum Überleben, meiden faulig riechendes Wasser, ekeln uns vor giftiger Nahrung, schließen Freundschaften, sehnen uns nach Partnerschaft, halten uns fern von Menschen, die uns feindselig gesinnt sind, schließen uns zu schützenden Gemeinschaften zusammen, etc. Wir tun alles, um unsere Chancen, zu überleben und uns fortzupflanzen, zu erhöhen. So bist du das Resultat einer biologischen Erfolgsstory: alle deine Ahnen hatten genug zu essen, um zu überleben, um sich fortzupflanzen. Du trägst die Gene, die zu diesem Erfolg verholfen haben. 

 

Das heißt nicht, dass wir nur das sind - aber das ist auch unser biologischer background. Der Mensch ist darüber hinaus auch noch in der Lage, nach einem weiteren Sinn des Lebens zu fragen und sich damit auf eine spirituelle Suche zu begeben. Aber das ist ein anderes Thema, um das es in dem Buch nicht geht. 

 

Die Motivationstriade

Motivationstriade

 Das Motivationssystem besteht aus den drei Teilen:

  1. dem Antrieb Vergnügen zu suchen
  2. Schmerz zu vermeiden
  3. Energie zu sparen

Diese 3 Komponenten sind ausreichend, sodass auch einfache Lebewesen ihr Ziel (Überleben und Fortpflanzung) erreichen können. So frisst der Hai eher ein bereits verletztes Tier, das er an den Trübungen im Meerwasser ausmachen kann, um weniger Energie für die Jagd verwenden zu müssen, um an seine Nahrung zu kommen. Die Gazelle flüchtet vor dem Geparden um Schmerz zu vermeiden und dem Tod zu entgehen. Gelingt ihr das Überleben, warten Vergnügungen wie Nahrung und Fortpflanzung auf sie. Die Motivationstriade zeigt natürlich nur die wichtigsten Kräfte, die unser - und das aller Lebewesen - Verhalten beeinflussen. 

 

Um zu überleben und sich fortzupflanzen müssen Lebewesen Entscheidungen treffen und Risiken abwägen. Je nach Entscheidung erhöhen oder verringern sich die Chancen für Überleben und Fortpflanzung. Um Entscheidungen richtig treffen zu können, braucht es Kriterien, anhand derer das Lebewesen erkennen kann, ob die Entscheidung zum Erfolg beigetragen hat - ein Feedback-System also. Dieses Feedback-System besteht bei uns Lebewesen aus physischen und psychischen Gefühlen. Angenehme Gefühle sind die Belohnung für erfolgreiches Handeln im Bezug auf die Ziele. Eine Mahlzeit wird als Genuss empfunden, regenerativer Nachtschlaf (der als Erholung dient und die weiteren Überlebenschancen erhöht) als Wohltat, Sex als Vergnügen. Verdorbene Nahrung, ein verstauchter Knöchel, Liebesverlust führen dazu, dass wir uns schlecht fühlen. Dieses Gefühl signalisiert, dass unser Überleben und/oder die Fortpflanzung gefährdet sind. Und dieses feedback führt dazu, dass wir uns mehr anstrengen und andere Entscheidungen treffen. 

 

Bei Tieren könnte man es auch Instinkt nennen. Doch was motiviert ein Tier zu einem bestimmten Verhalten, das nicht unmittelbar belohnt wird? Auf welche Weise bewegen die Instinkte ein Tier dazu, für ein theoretisches Vergnügen in der Zukunft jetzt Energie zu investieren und Schmerz zu riskieren? Im Buch wird oft das Beispiel des Raubwürgers gebracht. Ein Vogel der erst verschiedenste Gegenstände sammelt und in seinem Revier auf einen Dorn spiessen muss, um ein Weibchen zu beeindrucken und dann seine Gene weitergeben zu können. Aber auch in unserem Leben erfordert Vergnügen und Lust zuvor einiges an Arbeit, Anstrengung, Risiko, das Erlernen von Fertigkeiten etc. Welchen Anreiz haben Lebewesen um durchzuhalten? Es sind die Stimmungen Zufriedenheit und Unzufriedenheit, die Wegweiser zu Glück und Schmerz sind. 

 

Das Stimmungshormon ist Serotonin - dieses Wohlfühlhormon ist der Wegweiser zum Glück. Das Glückshormon ist Dopamin, das ein sehr intensives, aber auch recht kurzes Lusterlebnis und ekstatisches Glücksgefühl auslöst. Eine gute Stimmung und Zufriedenheit können länger anhalten. Lust ist gedacht als intensives Signal für ein Erfolgserlebnis in Sachen Überleben und/oder Fortpflanzung. Zufriedenheit und Glück ist die subtile Verstärkung von Erlebnissen auf den Weg dorthin und motivieren uns dran zu bleiben. 

 

Die Lustfalle

Feigen - Früchte der Lust

Was ist nun die Lustfalle, die sich aus der Motivationstriade ergibt?  Lebewesen streben danach ein Höchstmaß an Vergnügen mit einem Mindestmaß an Energieeinsatz zu erleben. Wenn einem Lebewesen die Möglichkeit geboten würde ohne Umwege zu maximalen Vergnügen zu kommen, die in einem natürlichen Umfeld nicht gegeben ist, würde die Motiviationstriade es dazu führen, sein Glück im Grunde zu schmälern. Ein künstliches Feedback kann die Sinne täuschen und zu Entscheidungen motivieren, die richtig erscheinen weil sie die Lust maximieren, aber die Gesundheit gefährden und selbstzerstörerisch sind. 

 

Am besten verstehen lässt sich dies anhand der Sucht nach Kokain. Diese Droge löst eine starke Reaktion im Lustzentrum des Gehirns aus, und das noch dazu mit geringem Energieeinsatz. Sie löst künstlich eine kurzfristige Euphorie aus, die jedoch die Gesundheit gefährdet und die Stimmung und die natürliche Hormonproduktion schädigt. Das durch die Droge ausgelöste Lustempfinden ist jedoch so stark, dass man es immer wieder wiederholen möchte. Lust ist ja auch das Kennzeichen biologischen Erfolgs, in diesem Fall jedoch trügerisch. Auch bei Tieren funktioniert das so, wie leider anhand von Tierversuchen nachgewiesen wurde. Die Ratte wird sich bei der Wahl zwischen Nahrung und Drogen für letzteres entscheiden, selbst wenn sie schon kurz vor dem Hungertod steht. 

 

Der Mensch hat in den letzten Jahrhunderten viel Energie darauf verwendet herauszufinden, wie er mit möglichst wenig Energie ein Höchstmaß an Vergnügen mit so wenig Leid als möglich für sich selbst erzielen kann. Unsere heutige Umwelt ist das Resultat davon, wir haben viele Lustfallen geschaffen. Wie sich das auf unsere Gesundheit und unser Essverhalten auswirkt und warum heute immer mehr Menschen krank und schlecht ernährt sind, darüber schreibe ich bald mehr in einem weiteren Blog-Artikel zu dem Buch. Aber soviel schon mal vorweg: Wir essen nach wie vor richtig, aber leben dafür in der falschen Umwelt :->

Vielleicht hat euch das auch ein paar Aha-Momente beschert!? Bald mehr aus dem Buch
und bis dahin euch alles Liebe und gute Entscheidungen, Susanne

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