schlafen ohne Bett

Ich schlafe seit 15 Jahren auf dem Boden. Vielleicht ist das auch mein Rezept gegen Rückenschmerzen. Heute berichte ich über meine Beweggründe und meine Erfahrungen damit.

Schlafen am Boden: Hilfe bei Rückenschmerzen

Begonnen hat alles damit, dass ich vermutlich schon immer ein kleines Faible für ungewöhnliches Schlafen hatte und mit ziemlichen Kreuzschmerzen, bereits im jungen Jahren mit 20.  

 

Als Kind habe ich manchmal auf dem Liegebett am Balkon übernachtet oder in dem kleinen Zelt, das ich in meinem Zimmer stehen hatte, geschlafen. Dann kamen Jahre in denen ich dachte, dass es halt normal ist, dass mir der Rücken weh tut, wie so vielen Menschen. Irgendwann habe ich aber dann doch damit begonnen, mich mehr mit meinem Körper und dem Thema Gesundheit zu beschäftigen und ich denke, dass mir folgende 2 Punkte geholfen haben, die Rückenschmerzen völlig los zu werden.

 

Eines ist tägliche Morgengymnastik (eine kleine Abfolge von Übungen hauptsächlich aus dem Chi Gong und Yoga, die täglich 5 bis 10 Minuten dauert) und das andere ist das Schlafen auf einer harten Unterlage.  

mittelalterliches Bett in den Klosterzellen von Monteluco

Im Mittelalter war dieses Bett, mitsamt des kuscheligen Kissens, auf dem Foto (rechts) wahrscheinlich ein Luxus, die anderen schliefen auf den Boden in den Zellen des Klosters Monteluca, wo der heilige Franz von Assisi sich zeitweise in Stille und Gebet zurück gezogen hat.  

 

Ich schlafe gerne draussen in der freien Natur oder im Zelt. Doch nach einer Zeltnacht bin ich eigentlich immer mit Rückenschmerzen und steifen Gliedern aufgewacht, habe mich mühsam aus dem Zelt geschält, um mich erst mal in den ersten Sonnenstrahlen des Tages vorsichtig ein wenig zu rekeln. In der Nacht habe ich mich oft von Seite zu Seite gewälzt, weil mir schon alles weh tat (und ich auf oft aufgrund der Kälte nicht gut schlafen konnte, aber das ist eine andere Geschichte...). Zu dieser Zeit gab es auch nur dünne, ca. 1 cm dicke Iso-Matten als Unterlage für den Schlafsack (oder dicke Luftmatratzen, aber die haben die Sache auch nicht besser gemacht und waren damals auch noch zu schwer, um sie einfach mitzunehmen). 

 

Jedenfalls wollte ich irgendwann auch in der Natur und im Zelt gut und schmerzfrei schlafen und erholt aufwachen können. Und ich wollte gerne natürlich schlafen,  und nichts Besonderes dazu benötigen. Auch kein Bett mit dicker Matratze. Und auch kein Zimmer extra als Schlafzimmer deklarieren, in dem man dann den ganzen Tag nichts machen kann, vor allem auch nicht, weil ja der ganze Platz mit einem Bett voll gestellt ist. Und Rückenschmerzen wollte ich auch nicht wieder bekommen. 

Schlafen auf dem Boden in Japan

In Japan schlafen die Menschen traditionell auf dem Boden auf Futon-Matten, die aus einfacher Baumwolle bestehen. Sie werden abends zum Schlafen auf den Tatami-Boden ausgerollt und morgens wieder zusammen gerollt oder gefaltet und in den Schrank oder eine Ecke weg geräumt. In traditionellen japanischen Häusern gab es kein Zimmer, das ausschließlich zum Schlafen gedacht war. 

 

Ich hatte vor einigen Jahren einmal die Möglichkeit Japan bereisen zu können. Ein japanische Freundin hat mir dort einiges gezeigt, wodurch ich auch einen kleinen Einblick in die japanische Lebensart bekommen konnte, den man als Pauschaltourist wahrscheinlich so nicht gewinnen kann. Ich habe nicht nur in Hotels, sondern auch privat bei Bekannten übernachtet und alle waren verwundert, dass ich als Europäerin die Futonmatte dem Bett bevorzuge und dann darauf auch tatsächlich gut schlafe und frisch und erholt aufwache. Ich schätze die japanische Ästhetik sehr und insbesondere die traditionelle Schlafkultur, die aber leider auch schon dem westlichen, scheinbar modernen, Einfluss weicht. 

 

auf dem Boden schlafen - Rezept gegen Rückenschmerzen

Die Umstellung vom Schlafen im Bett zum Schlafen auf dem Boden hat dann einige Zeit gedauert bzw. einige Experimente ausgelöst.  

 

Angenähert habe ich mich mit einem billigen Sofa einer schwedischen Möbelfirma,  wo die Liegefläche aus einem dicken, aber festen Schaumstoff auf dem Boden bestand. Dann habe ich eine zeitlang mit Lattenrost und dünner Matratze darüber, aber ohne Bett direkt auf dem Boden geschlafen. Dann habe ich eine zeitlang ganz puristisch auf einem Wollteppich nur mit einem Leintuch darüber geschlafen. Das war mir dann aber doch etwas zu hart. Dann kam eine 3 cm dünne Matte auf den Boden, die mit Kokosfasern gefüllt ist. Zwischendurch habe ich auch manchmal in einer Hängematte übernachtet, während Reisen oder zu Hause auf dem Balkon (hier ist der Trick schräg drin zu liegen, damit sich der Rücken nicht zu stark durch biegt).

 

Und nun schlafe ich seit 4 Jahren auf einer 5 cm dicken Viscoschaum-Matratze auf einem Teppich auf dem Boden. Sie gibt bei Druck punktförmig nach und geht dann langsam in die ursprüngliche Form zurück, wenn die Belastung an der Stelle nachlässt. Der Boden darunter bietet einen guten Widerstand und hält mich. Gelegentlich rolle ich die flache Matratze zusammen, um den Teppich darunter und die Matte auszulüften. 

 

Weitere Vorteile des auf den Boden Schlafen sind, dass ich auch  keinen Nachttisch brauche weil die Dinge, die ich in der Nacht oder in der Früh gerne in meiner Nähe haben möchte, einfach auf den Boden neben meiner Schlafstätte legen kann. Und dass das Aufstehen vom Boden mir hilft, fit und beweglich zu bleiben. 

 

Ich kann jetzt praktisch überall übernachten und gut schlafen .... ausser wenn die Matratze zu weich ist :->> Deshalb habe ich an verschiedenen Orten, wo ich in Betten schlafen musste, schon so einige Matratzentauschaktionen durchgeführt, bis ich die richtige für mich gefunden hatte. 

 

Meine Feldenkrais Lehrerin Helga Bartunek meinte mal in einer ihrer Stunden: wenn man auf weicher Matratze schläft, bleibt der Rücken hart und verspannt, weil sich die Matratze anpasst. Liegt man auf einer Matte am Boden oder auf einer harten Matratze, so wird der Rücken weich und biegsam und schmiegt sich an den Boden an.  Das kann ich nach jahrelanger Erfahrung nur bestätigen. 

 

Ich wünsche Euch gute Nächte und erholtes und schmerzfreies Aufwachen in den Morgenstunden!

Vielleicht konnte ich ja euer Interesse für natürliches Schlafen ohne Bett wecken!? Oder habt ihr selbst schon Erfahrungen damit gemacht? Freue mich über Austausch diesbezüglich! Bis bald, Susanne

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