Nochmal Darm, diesmal mit Charme

Giulia Enders Buch "Darm mit Charme, Alles über ein unterschätztes Organ" hat mir nochmal so einige Überraschungen und interessante Details über unsere Verdauungstätigkeit gebracht. Darüber heute mehr

Giulia Enders "Darm mit Charme"

Nach den Weihnachtsschlemmereien bereitet die Verdauung oftmals so einige Probleme, wie Verstopfung oder Übelkeit. Dem ganzen Verdauungsthema hat sich Giulia Enders vor einigen Jahren in ihrem Buch "Darm mit Charme" angenommen und dort vom Start der Verdauung im Mund bis runter zum Schließmuskel alles genau und auf sehr lustige Weise beschrieben. Aus eigener Betroffenheit begann sie sich für das Thema zu interessieren und später Medizin zu studieren. 

 

Eingangs beschreibt sie im Buch, dass wir Menschen im Prinzip aus 3 Schläuchen entstehen: der erste Schlauch durchzieht uns und verknotet sich in der Mitte - das ist das Herz und das gesamte Blutgefäßsytem. Der zweite Schlauch bildet sich fast parallel zum Rücken und macht oben eine Blase, das Gehirn - das ist das Nervensystem. Der dritte Schlauch der uns durchzieht, ist das Darmrohr. Aus diesem bilden sich auch die Lungen, die Leber, die Gallenblase, Bauchspeicheldrüse, die Speiseröhre, der Magenbeutel und natürlich der Darm, um den es in ihrem Buch dann im Detail geht. 

die beiden Schließmuskel aus "Darm mit Charme"

Sie startet mit der Beantwortung der Frage: "Wie geht kacken?" und das alleine ist schon hoch interessant und war für mich doch neu. Wir haben nämlich 2 (ja, zwei!) Schließmuskeln. Den Äusseren, den wir bewußt steuern können und der mit unserem Gehirn verbunden ist. Und den inneren Schließmuskel, der bei Druck etwas nachgibt und einen kleinen Informationshappen in die Durchgangsstation schickt.

 

In dem Raum zwischen inneren und äusseren Schließmuskel sitzen viele Sensorzellen die analysieren, ob das angelieferte Produkt eher fest oder gasförmig ist und schicken diese Information ans Gehirn. Das Bewusstsein checkt dann kurz die Lage und meldet an den äusseren Schließmuskel zurück, was zu tun ist - fest zusammenhalten oder alles los lassen, pupsen oder nicht.

 

Der innere Schließmuskel, der für unsere Gesundheit und das innere Wohl zuständig ist, akzeptiert die getroffene Entscheidung eine zeitlang, probiert dann aber etwas später nochmal zu melden. Wenn wir uns jedoch zu häufig verbieten aufs Klo zu gehen, dann wird der innere Schließmuskel entmutigt und meldet bald nichts mehr. Das kann eine Ursache für Verstopfung werden. Aber die gute Nachricht ist, dass die Kommunikation zwischen inneren und äusseren Schließmuskel scheinbar auch wieder erlernt werden kann. Giulia Enders empfiehlt hier Biofeedback. Oder besser noch gleich auf die Toilette zu gehen, wenn man muss.

Verdauungssystem von Mund bis Anus

Aber fangen wir doch zuerst noch mal von vorne an, so wie Giulia Enders das in ihrem Buch tut, nämlich im Mund. Wir alle wissen wahrscheinlich, dass die Verdauung bereits beim Kauen beginnt. Aber wo kommt der Speichel eigentlich her und woraus besteht er? Neu für mich war, dass der Körper den Speichel auch aus Blut macht. Alles da, nur keine roten Blutkörperchen. Kalzium, um den Zahnschmelz zu härten, Hormone, Abwehrstoffe des Immunsystems. 

 

Wir haben vier Punkte im Mund, aus denen der Speichel kommt. Zwei Punkte sitzen unten im Gaumen, unter der Zunge, auf die vorderen unteren Schneidezähne gerichtet. Aus ihnen kommt ständig etwas Speichel. Die anderen beiden Punkte liegen in der Innenseite der Backen, in der Mitte der oberen Zahnreihe. Aus ihnen kommt Speichel, wenn wir etwas kauen. 

 

Der Speichel ist gefiltertes Blut, kann aber von unserem Körper auch noch angereichert werden. Mit dem körpereigenen Schmerzmittel Opiorphin, das stärker wirkt als Morphium. Nachdem wir im Mund auch besonders viele Nervenenden haben, sind wir dort besonders schmerzempfindlich. Da soll uns das Opiorphin helfen, dass nicht jedes Erdbeerkörnchen weh tut. Es wirkt den neuesten Forschungen nach auch antidepressiv, was eventuell einen Teil des Frustessens erklären könnte. Angereichert wird der Speichel auch noch mit einem Schleimstoff, der unsere Zähne und das Zahnfleisch schützt, während die Abwehrstoffe des Speichels schlechte Bakterien abtöten. 

 

Unter Tags produzieren wir ca. 0,5 bis 1,5 Liter Speichel. Doch in der Nacht ruht auch die Speichelproduktion, weshalb sich da schlechte Bakterien munter vermehren können. Deshalb wacht man morgens manchmal mit Mundgeruch oder Halsweh auf. Beim abendlichen Zähneputzen verringert man nochmal die Bakterienanzahl. Und in der Früh ist es auch gut, nach dem Aufwachen den Mund auszuspülen oder gleich Zähne zu putzen, um die nächtliche Bakterienvermehrung wieder los zu werden und die Speichelproduktion anzuregen.

 

Auf der Zunge sitzen nicht nur die meisten Geschmacksknospen, sondern weiter hinten auch die Zungenkuppeln. Diese gehören zum Rachenring; unten die Zungenkuppeln, rechts und links die Mandeln und oben das Rachendach. Sie tasten gemeinsam alles ab, was da vorbei kommt und trainieren das Immunsystem. Mandeln sollten wenn möglich erst ab dem 7. Lebensjahr entfernt werden, da das Immunsystem bis etwa zu diesen Zeitpunkt immer noch etwas Neues kennen lernt und zum Trainieren bekommt.  

 

Der kräftigste Muskel in unserem Körper sitzt ebenfalls im Mund, nämlich der Kiefermuskel. Mit diesem Muskel können bis zu 80 kg Druck auf einen Backenzahn erzeugt werden. Daher ist auch unser Zahnschmelz aus dem härtesten Material, das unser Körper erzeugen kann. 

 

Giulia Enders schreibt dann weiter über das interessant gekrümmte Magenbeutelchen, den 3 bis 6 m langen samtigen Dünndarm, den Blinddarm der zum Immungewebe der Mandeln gehört und dem alles einrahmenden Dickdarm, der aus den Resten der Mahlzeit noch das letzte an Mineralien und Vitaminen versucht heraus zu holen. 

kleine Lektüre über den Kot

Mit einer "kleinen Lektüre zum Kot" schließt sie den ersten Teil ihres Buches ab. Ich habe ja hier schon einmal ein wenig darüber berichtet, aber das Buch "Darm mit Charme" hat auch in diesem Bereich noch weitere interessante Neuigkeiten geliefert. 

 

Zum Beispiel das unser Kot zu zwei Dritteln aus Wasser besteht. Wobei der Darm bereits 8,9 Liter resorbiert hat. Es ist im Idealfall noch genau so viel Flüssigkeit im Stuhl, dass dieser problemlos hinaus transportiert werden kann. 

 

Ein Drittel der festen Bestandteile sind Bakterien. Sie waren als Darmflora aktiv und scheiden nun aus dem Dienst aus. Ein weiteres Drittel sind unverdauliche Pflanzenfasern, die Ballaststoffe. Das letzte Drittel ist eine Mixtur aus Stoffen, die der Körper los werden will: künstliche Farbstoffe, Medikamentenreste, Cholesterin, etc. 

 

Die Farbe des Kot entsteht durch rote Blutkörperchen, die der Körper täglich neu produziert (2,4 Millionen in der Sekunde), während die alten roten Blutkörperchen abgebaut und entsorgt werden. Die möglichen Konsistenzen des Stuhl gibt die Bristol Stool Chart wieder, die seit 1997 existiert. Ideal sind hier Typ 3 und 4. Typ 1 kann ein Hinweis sein auf eine zu langsame Verdauung (an die 100 Stunden) und Verstopfung, Typ 7 auf eine zu schnelle Verdauung (nur 10 Stunden) mit Durchfall. 

 

Das Buch geht dann spannend weiter. Wie transportieren unsere Organe das Essen? Warum erbrechen wir manchmal? Wie beeinflusst der Darm unser Gehirn? Wie entwickelt sich die Darmflora? sind nur einige der Fragen, die Giulia Enders beantwortet. Ich finde das alles ja super interessant und lese das Buch gerade zum zweiten Mal. Und vielleicht berichte ich auch bald  weiter darüber. 

Ich hoffe, ihr seid alle gut in das neue Jahr gerutscht, für das ich euch viel Gesundheit und
körperliches und geistiges Wohlbefinden wünsche! Bis zum nächsten Mal, Susanne

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