Der Lustfalle zweiter Teil

Warum das, was uns einst das Überleben gesichert hat, heute oftmals krank macht - das erklärt das Buch "Die Lustfalle" anschaulich. Heute nochmal ein wenig mehr darüber

Neandertaler haben gut überlebt

Letztens habe ich ein tolles Interview mit Doug Lisle gesehen und das hat mich inspiriert, mich wieder mal mit der Lustfalle zu beschäftigen. Ich habe ja schon mal ein wenig über das Buch "Die Lustfalle" berichtet, in dem erklärt wird, warum es uns heute so schwer fällt, uns gesund zu ernähren. 

 

Alle Lebewesen, auch wir Menschen, werden von 3 Faktoren motiviert: wir suchen Vergnügen, wollen Schmerz vermeiden und unsere Energie dabei möglichst sparen. 

 

Wenn uns Lebewesen die Möglichkeit geboten würde, ohne Umwege zu maximalen Vergnügen zu gelangen, was in einem natürlichen Umfeld so nicht gegeben ist, würde die Motiviationstriade uns dazu führen, unser Glück im Grunde zu schmälern. Unsere Sinne würden getäuscht und es entsteht so viel positives Feedback im Körper, dass Entscheidungen getroffen werden, die richtig erscheinen, weil sie die Lust maximieren, aber die Gesundheit gefährden und selbstzerstörerisch sind, also eigentlich Schmerz und Krankheit erzeugen. Und das ist genau der springende Punkt, der heute leider oft bei unserer Ernährung geschieht. 

Ursprünglich lebten wir in Naturlandschaften, einer Gegend, die vom Menschen nicht verändert wurde. Naturlandschaften quellen nicht gerade über an üppiger Ernährung. In der Natur gibt es einige Nussbäume und Saaten, aber keine raffinierten Öle, keinen raffinierten Zucker, kein Mehl, kein Übermaß an Salz. Und da exzessive Ernährungsgewohnheiten in unserer Entwicklungsgeschichte keine Rolle spielten, sind wir auch nicht allzu gut gerüstet für die Erkenntnis, dass Gesundheitsstörungen das Resultat solcher Exzesse sein könnten. 

 

Die Entwicklung der Landwirtschaft begann wahrscheinlich vor nicht ganz 20.000 Jahren, als wir sesshaft wurden und erste Versuche im Ackerbau starteten, indem Wildgetreidearten gesammelt und angebaut wurden. Die Bevölkerung vermehrte sich rascher als zuvor, durch den Beginn der Viehzucht starben allerdings auch mehr Menschen als zuvor an Infektionen durch den nun engen Kontakt mit Tieren. So sollen Masern beispielsweise ihren Ursprung in der Rinderpest haben. Doch das ist heute nicht das Thema. 

 

Jedenfalls führte die Einführung der Landwirtschaft zu einer neuen Lebensweise. Es musste nicht mehr nur gesammelt und gejagt werden, sondern man konnte die zum Überleben benötigten Kalorien effizient und gezielt selbst erzeugen. Dies war aber zugleich die Geburtsstunde der Zivilisationserkrankungen, die durch ein Zuviel an an tierischen und weiter verarbeiteten Nahrungsmittel entstehen und zunächst jedoch nur Könige und andere sehr Wohlhabende betraf. 

 

Im Laufe der Geschichte war eher Mangel an Nahrungsmitteln die Regel, während Übermaß selten vorkam. So ist die Psyche darauf programmiert, sich eher um ein Zuwenig als um ein Zuviel zu sorgen. Das ist eine natürliche Eigenschaft von uns, die es modernen Menschen aber schwer macht, die wahren Ursachen der meisten Gesundheitsprobleme unserer Zeit zu erkennen (siehe "Die Lustfalle", Seite 95) Fälschlicherweise wird weiter danach gesucht, was man einem kranken Körper zuführen kann (wie Vitamintabletten, Nahrungsergänzungsmittel, Medizin, Bestrahlung etc.) statt überlegt, was man weg lassen könnte, wie beispielsweise alle verarbeiteten Lebensmittel, die so in der Natur gar nicht vorkommen. Dort gibt es weder große Mengen an Fett auf einmal, noch in Kombination mit Zucker und/oder Salz, was für den Körper ein großer Stimulus ist und das Belohnungszentrum aktiviert. In weiterer Folge will man immer mehr davon und ein Suchtverhalten wird ausgelöst.  Prominente Beispiele für diese Kombinationen aus fett, salzig und süß sind Pommes frittes mit Ketchup oder Schokoriegel mit gesalzenen Erdnüssen. 

 

In Zeiten des Mangels war übrigens Üppigkeit ein Schönheitsideal und oftmals auch gesundheitlich ein Vorteil. Dr. Goldhamer, der Co-Autor der Lustfalle, meinte letztens in einem Interview, dass jene Frauen, mit etwas Fett um die Hüften die waren, die den langen Winter überlebt haben. Dass eigentlich Frauen, die etwas molliger sind, das evolutionäre Erfolgsmodell sind. Dafür ist vielleicht auch die Abbildung der Venus von Willendorf, die wahrscheinlich noch aus der Zeit vor dem Ackerbau stammt, ein gutes Bespiel. 

Das Gesetz der Sättigung

satte Katze

Wem ist in der Natur je ein Tier begegnet, das sich in der natürlichen Umgebung bis an den Rand der Gesundheitsgefährdung unterernährt oder überfressen hat?

 

Wahrscheinlich niemanden, denn es gibt in jedem Lebewesen einen Mechanismus, den man als "Gesetz der Sättigung" bezeichnen kann: In einer natürlichen Umgebung mit einem Überfluss an Kalorien werden Tiere genau die richtige Nahrungsmittelmenge zu sich nehmen, um optimal zu funktionieren. Die Tiere, die heute leben, sind Nachfahren von Geschöpfen, die mit eben diesen Fähigkeiten ausgestattet waren. Diese Vorfahren verzehrten exakt die richtige Nahrungsmittelmenge, tranken die richtige Flüssigkeit, atmeten die passende Menge an Sauerstoff ein und nahmen sich genau die richtige Menge an Schlaf, die sie zum Überleben und für die Fortpflanzung brauchten. 

 

Haben wir mehrere Stunden nichts gegessen, spüren wir ein leichtes Unwohlsein, was uns zur Futtersuche motiviert, um das Unwohlsein zu beseitigen. Das ist wieder ein Beispiel wie Schmerzvermeidung und Luststreben zusammen wirken. 

 

Das Gefühl der Sättigung entsteht aus folgenden dreien Mechanismen im Körper:

 

- dem Gefühl für die Magenausdehnung

Wir haben im Magen Nerven, die als Dehnungs-Rezeptoren fungieren und dem Gehirn melden, in welchem Maße sich unser Bauch vom Essen schon gedehnt hat. Die Magenausdehnung ist ein hilfreiches Signal für die Sättigung, sie übermittelt dem Gehirn aber nicht alle notwendigen Informationen. Weitere Information liefert das 

 

 

- Gefühl für die Nährstoffzufuhr

Wir haben im Magen also auch Nährstoff-Rezeptoren, die die Kaloriendichte der verspeisten Nahrungsmittel ermitteln können. Während Kohlenhydrate und Eiweiß pro Gramm 4 Kilokalorien haben, hat ein Gramm Fett beispielsweise etwas über 9 Kilokalorien. Ein grüner Salat ohne Dressing ist weniger kaloriendicht, als süße reife Früchte, als ein Getreidebrei, als eine Schnitzelsemmel. 

 

Diese beiden Typen von Rezeptoren melden dem Gehirn, ob wir genug gegessen haben oder nicht. Ganz exakt ist der Ausgleich zwischen Kalorienzufuhr und Kalorienbedarf nicht, Abweichungen werden trotzdem immer ausgeglichen, unter anderem über folgenden Regelkreis.

 

- und einem Regelkreis

Der Regelkreis basiert auf einem Fettreserven-Überwachungssystem, dessen Sensoren im ganzen Körper verteilt sind. Wachsen die Fettdepots rasch an, wird ein Warnsignal an das Gehirn gesendet, dass das Hungergefühl sodann zügelt. 

 

Das ganze ist also ein super ausgeklügelter Mechanismus. Er hilft allen Lebewesen für Fortpflanzung und Überleben genug zu essen und verhindert, dass sie zu viel essen und so diese beiden Ziele be- oder gar verhindern. Und doch funktioniert das Gesetz der Sättigung heute nicht mehr. Wieso?

Die modernen Gesetzesbrecher

ungesunde Fertigprodukte, die das Gesetz der Sättigung umgehen

Heute gibt es Gesetzesbrecher. Künstlich hergestellte Nahrungsmittel, Fertigprodukte, die oft nur noch wenig mit natürlichen Lebensmitteln gemein haben. 

 

Und hier sind die drei Gesetzesbrecher - sie agieren durch Anreicherung oder Wegnahme. 

 

Künstliche Farbstoffe und künstlichen Zusatzstoffe die angereichert werden und die Magen-Rezeptoren verwirren.

 

- Anreicherung mit Fett

In der Natur gibt es vom Fettreichem immer nur wenig. Es gibt Samen, Nüsse und das Fleisch von Wildtieren hat auch nur einen Fettanteil von etwa 15 Prozent. Fertigprodukte haben einen Fettanteil von 35 - 80 %. Der Sättigungsmechanismus der meisten Menschen verkennt diese große Menge mit aussergewöhnlich hoher Kaloriendichte. 

 

- Ausgetrickst durch fehlenden Ballast

Was ist der Unterschied zwischen guten Kohlenhydraten (von denen auf meinen Seiten viel die Rede ist) und raffinierten Kohlenhydraten? Richtig, es wurde die Form verändert und etwas weg genommen, nämlich meist die Ballaststoffe, die keine Kalorien haben. Entzieht man der Nahrung die Faserstoffe, so sinkt die Masse (nicht aber die Menge der aufgenommenen Kalorien). Das wiederum bedeutet, dass die Aktivität der Dehnungsrezeptoren für die konsumierten Kalorien nachlässt. Bei einer verminderten Aktivität der Dehnungsrezeptoren übermittelt der Sättigungsmechanismus das Signal, es müsse mehr gegessen werden. Was meist auch dazu führt, dass wir uns überessen. 

 

So, das ist für heute mal genug zum Verdauen :-)) Dies war der "Lustfalle" zweiter Teil. 

Vielleicht bringt euch das auch ein paar Aha-Momente, so wie ich sie hatte!? Bis bald, Susanne

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