Kochen ohne Rezept

Ich koche am liebsten frei und ohne Rezept - eine gute Methode gegen Lebensmittelverschwendung, gut fürs Geldbörsel und zur Förderung der Kreativität. Heute ein paar Gedanken und Tipps dazu

Kompost gegen Lebensmittelverschwendung
Kompost

Inspiriert von einem Interview mit Raphael Fellmer habe ich wieder einmal über Lebensmittelverschwendung und ihre Ursachen nachgedacht. In Österreich werden jährlich etwa 157.000 Tonnen Lebensmittel weg geworfen (siehe dieser Quelle vom Landwirtschaftsministerium), jede/r ÖsterreicherIn wirft jährlich ca. 19kg Nahrungsmittel in den Mist. Am Häufigsten Brot und Backwaren, doch an zweiter Stelle schon Obst und Gemüse. Laut Raphael Fellmer passiert der Großteil der Verschwendung in den Haushalten. 

 

Und da ist mir ein Zusammenhang zum Kochen ohne Rezept eingefallen - vielleicht ist das ja ein Rezept gegen Lebensmittelverschwendung?! Das freie Kochen bietet nämlich die Möglichkeit genau jene Nahrungsmittel zu verwenden, die du vielleicht containert hast, die in deiner Gemüsekistl-Lieferung enthalten waren, die du gerade im Garten geerntet hast, oder was vielleicht gerade in deinem Kühlschrank schon langsam vor sich hin rottet :-) Das Kochen ohne Rezept kann die Umwelt und deine Geldbörse schonen und auch noch Spass machen!

Kochen ohne Rezept gegen Lebensmittelverschwendung
Verwertung der Gartenernte

Ich bin aus zwei Gründen zum freien Kochen gekommen. Einerseits gärtnere ich seit einigen Jahren. Früchte und Gemüse sind irgendwann einmal reif und müssen geerntet werden, bevor sie im Garten oder Beet schlecht werden. Teilweise kannst du sie noch einige Zeit im Kühlschrank lagern, aber irgendwann einmal muss die Ernte dann verarbeitet werden.  

 

Und zweitens bin ich etwas zu ungeduldig fürs Lesen von Rezepten. Es macht mir wenig Spass nach Vorgaben zu kochen oder zu backen. Selbst wenn ich etwas nach Rezept das erste Mal ausprobiere, habe ich den inneren Antrieb ein bisschen etwas anders zu machen als angeführt. Und oft fehlt ja auch eine wichtige Zutat - die müsste ich dann erst extra besorgen und natürlich auch weiter verwenden, sodass ich sie nicht später weg werfen muss.  Da macht das freie Kochen doch deutlich mehr Spass. Ach ja, und ein Gemüse-Kistl bekomme ich ja auch wöchentlich geliefert, das ich abfallfrei verarbeiten möchte.

 

Für das Kochen ohne Rezept ist es gut, eine gewisse Basis zu Hause zu haben, mit der du dann verschiedenste Gerichte und Stilrichtungen zaubern kannst. 

 

Meine Basis, Lebensmittel die ich also eigentlich immer zu Hause habe, sind beispielsweise verschiedenste Kräuter und Gewürze, getrocknete Hülsenfrüchte, d.h. Kichererbsen, verschiedene Bohnen und Linsensorten, Haferflocken, Samen wie Leinsamen, Chiasamen und Hanfsamen,  Cashewnüsse und Sonnenblumenkerne, Essig, süßer und scharfer Senf, Öl, Ahornsirup, Tahini, Kokosmilch und passierte Tomaten.  Diese Lebensmittel haben alle eine recht lange Haltbarkeit und verderben nicht rasch. Praktisch sind auch ein paar verschiedene fertige Gemüse-Tomaten-Sugos zu Hause zu haben und das eine oder andere Pesto (auch gerne selbst gemacht und vielleicht tief gefroren), die nicht nur mit Pasta gegessen werden können. Oder ein Gläschen Ajvar. 

 

Dann habe ich immer verschiedene Stärke-Lieferanten zu Hause, die gut zur Sättigung beitragen, wie beispielsweise Kartoffeln, Süßkartoffeln, Reis, Quinoa, Polenta und Nudeln. Diese Stärkelieferanten habe ich auf Vorrat - in Gläser gefüllt (wer, so wie ich, schon öfters Getreidemotten hatte, weiß warum). Kartoffeln und Süßkartoffeln kaufe ich meist wöchentlich frisch und lagere sie im Kühlschrank, wo sie auch länger als eine Woche haltbar wären. 

 

Öfters ernte oder kaufe ich frisches Obst und Gemüse, das ich verbrauche, bevor es schlecht wird. Wenn ich sehe, dass etwas gegessen werden muss, dann überlege ich, was ich damit kochen möchte, was sonst noch verbraucht werden sollte und dazu passt - wobei überraschend viel zusammen passt und geschmacklich harmoniert - und auf welche Stilrichtung ich Lust habe. 

 

Mit Stilrichtungen meine ich großteils die Art der Würzung, etwa "italienisch", wozu ich dann die Kräuter Oregano, Thymian, Rosmarin und/oder Salbei verwenden würde, zusammen mit mediterranen Gemüsesorten und vielleicht Tomatensoße und ganz klassisch Pasta, oder auch mit Polenta, oder mit Quinoa ... ihr seht schon, vieles ist möglich. Oder "Indisch", verschiedene Gemüse und Hülsenfrüchte mit Currypulver und einer cremigen Soße aus passierten Tomaten und Kokosmilch. Oder "Marokkanisch" mit der Gewürzmischung Harissa oder "Ungarisch" mit viel Zwiebel, Paprikapulver und Majoran.  "Mexikanisch" und "Thailändisch" sind weitere der unzähligen Möglichkeiten. 

 

Eine gute Methode ist auch, die Lebensmittel die du gerade nicht verbrauchen kannst oder magst, einfach einzufrieren bevor sie schlecht werden und weg geworfen werden müssen.  Obst und Früchte kannst du auch einkochen, als Marmelade, Fruchtgelee oder Kompott. Das kannst du mit eigentlich jedem Obst machen und kreative Mischungen können auch interessant schmecken. Falls du gerne süß-sauer magst sind auch Chutneys eine gute Idee, um Obst und Gemüse einzukochen statt weg zu werfen und um sich kreativ auszutoben. 

 

Aus sehr vielen Gemüsen kannst du auch einfach eine Suppe kochen. Ich habe einige Zeit in einem ökumenischen Seminarhaus gelebt, wo bezüglich Essen der buddhistische Gedanke der Einfachheit und Schlichtheit gelebt wurde. Dort wurde zum Abendessen immer eine Suppe aus den Resten des übrig gebliebenen Mittagessens gekocht, was eigentlich immer lecker geworden ist. Und man kann wirklich aus jedem Essen eine Suppe machen! Das für mich krasseste Beispiel war einmal eine Suppe aus der Lasagne von zu Mittag :-) Sogar aus den Abfällen von Gemüse kannst du noch eine wunderbare Gemüsebrühe machen - das habe ich  hier schon einmal beschrieben. 

 

Leicht lassen sich auch Laibchen aus Gemüse oder Gemüseresten machen. Wenn ich mir einen frischen Gemüsesaft presse, mache im aus dem Trester meistens noch Gemüselaberln. Das Gemüse oder der Trester kann gut mit Kichererbsenmehl gebunden werden (was ich nun auch meist als Basis zu Hause vorrätig habe) und anschließend gebraten oder im Backrohr gebacken werden. Hier habe ich auch schon zwei Burger (jetzt dürfen ja auch die vegetarischen Burger weiterhin Burger genannt werden :-)) Rezepte vorgestellt: Bohnen-Burger, Brokkoli-Falafel die du gerne kreativ abwandeln kannst ;-)

 

Um Lebensmittel nicht zu verschwenden ist es auch gut, sich ein bisschen über die richtige Lagerung von Lebensmitteln schlau zu machen, wie sie möglichst lange haltbar sind oder gut nachreifen oder eben nicht weiter reifen. Ich plane schon des längeren einen Artikel darüber, vielleicht kann ich ihn auch bald fertig stellen. 

 

Immer mehr Spass macht mir auch das Backen ohne Rezept. Wichtig ist hierbei vor allem, dass du eine gute Konsistenz vom Teil bekommst - nicht zu feucht und nicht zu trocken für Kuchen und Torten, Keksteig kann etwas trockener sein. Und dass der Teig auch roh gut schmeckt - dann schmeckt der Kuchen sicher auch! Und das ist ja ein grosser Vorteil des veganen Backens, dass du die Teige auch bedenkenlos schon roh naschen und probieren kannst. Über das Backen ohne Rezept vielleicht auch ein anderes Mal mehr. 

 

Übrigens ein Komposthaufen im Garten, wie auf dem Foto oben, oder eine Wurmkiste (die manche auch in der Wohnung stehen haben) sind auch noch bessere Möglichkeiten als Lebensmittel in die Tonne zu schmeissen - so wird mit der Zeit zumindest wunderbare Erde aus euren Abfällen. 

 

Ich hoffe, dass euch meine Gedanken und Ideen zum freien Kochen gegen die Lebensmittelverschwendung gefallen und ihr vielleicht nun auch den Mut gefunden habt oder inspiriert seid, einmal einfach drauf los zu kochen und dabei vielleicht jene Nahrungsmittel zu verbrauchen, die auch möglichst bald gegessen werden sollten. 

Die Überlegungen und Tipps, wie ich eigentlich ohne Rezept leckeres Essen koche und backe möchte ich gerne noch ausbauen, auch um meinen Teil gegen die Verschwendung von wertvollen Lebensmitteln beizutragen. 
Also, hoffentlich bis bald, Susanne

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